Katis Blog

Meine Gedanken & Themen

05.04.2020 - Liebe ist stärker als Angst

Das Jahr 2019 war nach meiner Wahrnehmung und zumindest in meinem Umfeld geprägt von Impulsen für Veränderungen. Eine erste Welle hat die Klimasituation hervorgerufen. In meinem Bekannten- und Freundeskreis war die Offenheit für eine gemeinsame Veränderung groß. Die Erkenntnis, dass wir alle nicht einfach so gewohnheitsmäßig weitermachen können, ist da. Doch die Umsetzung ist schwer. Gewohnheiten und Ängste sind stark.
Meiner Meinung nach fusst vieles, was zu Ungleichverteilung, Konsumverhalten, Streit und auch Hass und damit letztendlich auch Krieg, vor allem auf Angst. Die Angst unseren eigenen Besitz, Wohlstand oä. zu verlieren ist groß. Existenzängste sind machtvoll und natürlich evolutionär angelegt. Also, worauf will ich hinaus?... Vor einigen Wochen nun kommt der Corona-Virus mit voller Wucht und verändert unser Leben gnadenlos. Die Ängste verstärken sich natürlich dadurch noch mehr, da dieser Virus gesundheitlich tödlich sein kann und zur Zeit aber vor allem wirtschaftlich viele Unternehmen und damit Menschen in Existenznöte bringt. 

Was das alles aber auch hervorbringt, ist z.B. Solidarität, Hilfsbereitschaft, Nächstenliebe. Durch die Trennung von geliebten Menschen erleben viele von uns vielleicht auch das Gefühl, wie sehr uns bestimmte Menschen fehlen. Oder auch wie sehr uns überhaupt unser soziales Miteinander fehlt.
Ich erlebe diese Tage besonders intensiv, wie sehr wir mit anderen Menschen verbunden sind und auch wie alles (auch wirtschaftlich) verbunden und von einander abhängig ist. Ich erlebe, dass Liebe und Zuversicht, Unterstützung und Solidarität sowie Dankbarkeit kraftvoller ist als Angst. 
Diese Krise gibt uns auch die Chance, unsere Werte, unser Verhalten und unsere Gewohnheiten aufmerksam zu überprüfen und sie weniger von Angst als viel mehr von Liebe zum Leben und Solidarität leiten zu lassen.

15.03.2020 - Mensch in der Krise

In Ausnahmesituationen sind wir Menschen außergewöhnlich. Wir verhalten uns nicht in unseren Normen. Wir rutschen aus unserem Alltag, aus unseren Gewohnheiten. Dies kann ganz neue Kräfte freisetzen oder auch Ängste auslösen. Auf jeden Fall können wir etwas über uns selbst lernen. Egal ob wir in einer Situation wie der, die zur Zeit über uns alle hinweg rollt, Leben von anderen retten wollen oder nur unser eigenes, wir erleben, wie sehr wir am Leben hängen. Es ist sicher ein Urinstinkt. Doch auch jeder einzelne von uns hat Gründe, am Leben zu hängen. Ein Grund könnte sein, dass wir noch nicht alles erreicht haben, was wir uns erfüllen wollten. Ein anderer, dass wir vielleicht tief im Innern eine Ahnung haben, dass wir noch nicht richtig gelebt haben. Oder auch, dass wir von geliebten Menschen gebraucht werden.

Was es auch ist, jetzt ist zumindest eine Chance, sich dieser Gründe bewusst zu werden. Neben dem Krisengefühl hat diese Situation nämlich auch ein Geschenk in sich. Wir bekommen Zeit geschenkt. Plötzlich ist der Kalender leer. Und wir haben Zeit, etwas für uns zu tun. Wir können Dinge erledigen, wir können Zeit für unsere Familie haben etc..
Ich persönlich nehme mir die Zeit dafür, jeden Moment, in dem jetzt noch alles um mich herum in Ordnung ist, zu genießen und bewusst wahr zu nehmen. Dieses Jahr wird einiges verändern. Was das sein wird, wissen wir noch nicht. Ich bin wach und offen, um die Veränderung mit zu gehen. Aber es gibt auch Vieles, dass jetzt gut ist und das ich jetzt  noch genau mitbekommen möchte. Ich habe das Große Latinum - deshalb: Carpe diem!

08.02.2020 - Entidealisierung

Als Kind haben wir ein Idealbild unserer Eltern. Das ist wichtig z.B. für das Gefühl der Sicherheit. Im Laufe der Pubertät sollte eine Entidealisierung stattfinden. Wir erkennen, dass unsere Eltern auch Schwächen haben und Fehler machen. Das erlaubt uns selbst auch, Fehler und Schwächen zu haben. Jeder Mensch stellt wohl im Laufe der Zeit fest, dass sie/er manchmal auch die gleichen Fehler wie ihre/seine Eltern macht. Die Beziehung zu unseren Eltern/Bezugspersonen begleitet uns ein Leben lang. Ein Ankämpfen gegen diese Beziehung oder der Versuch explizit nicht so sein zu wollen wie die Eltern/Bezugspersonen bringt oft nicht die gewünschte Lösung. Wir fokussieren zu oft und zu viel auf das, was wir nicht wollen, was uns nicht gefällt, was wir verurteilen. Damit bleibt unsere Aufmerksamkeit aber genau dort, wo wir dann immer das sehen, was wir nicht sehen und fühlen wollen. Meiner Erfahrung nach ist ein Annehmen oft die Haltung, die erst eine Veränderung möglich macht.

Das Annehmen der Eltern wie sie sind. Dafür müssen wir uns einen ungeschönten oder auch entdramatisierten Blick erlauben. 
Das Annehmen von sich selbst wie man gerade ist. Anerkennen, was man wirklich braucht und sich im Innersten wünscht. Dafür muss man den Fokus umlenken von dem, was man nicht will, auf das, worum es wirklich geht. Viele Menschen können sehr genau sagen, was sie alles nicht wollen, aber nicht unbedingt benennen, um was es ihnen wirklich geht. Das eine lässt nämlich nicht zwangsläufig auf das andere schließen.
Dies ermöglicht uns, mit dem Meckern aufzuhören und für uns selbst zu sorgen. Es bedeutet auch, mit dem Warten aufhören zu können. Meist warten wir darauf, dass der andere sich verändert und uns endlich gibt, was wir brauchen. Die Lösung ist, sich selbst zu geben, was wir brauchen.

19.01.2020 - Selbstliebe oder Egoismus?

In meiner Kindheit habe ich gelernt, dass die Bedürfnisse von anderen vor meinen vorgehen. Es war nicht so, dass mir nicht auch Wünsche erfüllt worden sind. (Ich rede hier natürlich nicht von einem neuen Handy oder einem anderen Konsumgut!) Aber es war ein Gefühl, dass immer da war: Ich bin ein besserer Mensch, wenn ich nicht egoistisch bin.
Ich bin durchaus dankbar dafür, dass ich gelernt habe, meine Bedürfnisse nach hinten stellen zu können. Manchmal geht es eben nicht darum, dass man es bequem und einfach hat. Manchmal lernt man nur dadurch, dass es unbequem ist.

Was ich aber auch für wichtig halte: Seine eigenen Bedürfnisse und Wünsche ernst zu nehmen. Das bedeutet, sich selbst ernst zu nehmen, sich selbst so wert zu schätzen, dass man sich um seine eigenen Wünsche kümmert.
Das bedeutet, zu sich selbst zu stehen, sich zuzuhören, sich kennenzulernen, sich ausreichend Aufmerksamkeit zu schenken. Es geht nicht darum, egoistisch zu sein. Es geht darum, sich selbst zu spüren.
Womit kannst du dir heute zeigen, dass du dich ernst nimmst und dir zuhörst?

17.10.2019 - Verantwortung

Jeder Mensch trägt verschiedene Anteile in sich, weil wir in unserem Leben verschiedene prägende Erfahrungen gemacht haben. Manchmal geraten wir in Situationen, in denen sich andere Menschen auf eine Art und Weise verhalten, die etwas mit uns macht - zum Beispiel regen wir uns auf, weil das Verhalten des anderen uns wütend macht oder traurig. Meiner Erfahrung nach bedeutet eine emotionale Reaktion immer, dass etwas in uns berührt worden ist. Die normale Reaktion ist, dass wir denjenigen der diese Reaktion ausgelöst hat, verurteilen. Derjenige ist ja "Schuld", dass wir uns nicht gut fühlen.

 Die Wahrheit ist, dass der andere vielleicht gar nicht weiß, was er mit seinen Worten oder Taten ausgelöst hat. Meist wissen wir es selbst nicht genau, warum wir so emotional reagiert haben. Fakt ist, wenn wir emotional reagieren, hat es etwas mit uns selbst zu tun. Und das bedeutet, dass wir für diese Gefühle und auch für die Reaktion verantwortlich sind. Der Weg ist, sich erstmal darüber klar zu werden, was in uns selbst los ist. Leider sind wir in solchen Situationen viel zu oft bei dem "Schuldigen". Alles wird analysiert und verurteilt, statt sich mit den eigenen Gefühlen zu beschäftigen.
Die Frage ist: Was ist es in mir, was so heftig reagiert?

14.09.2019 - Sinn oder Unsinn? Das ist meine Frage.

In der Jugend sind wir noch voller Ideen und neugierig. Alles ist noch möglich. Doch besonders die heutige Jugend wächst zur Zeit mit einem hohen Medienkonsum auf und wir als Erwachsene machen es ihnen vor. Mit einer immer verfügbaren Beschallung und der Möglichkeit, jeder Zeit der Langeweile zu entgehen, fühlen wir uns ständig beschäftigt und vielleicht sogar überfordert. Doch ist damit die Langeweile wirklich weg? Ist es nicht vielmehr so, dass wir mit der ewigen Beschallung uns auch der Möglichkeit berauben, etwas wirklich Sinnvolles zu tun? Doch was ist sinnvoll? Was fühlt sich für mich sinnvoll an? 

Was ein Gefühl von Sinn in uns auslöst, ist sicher sehr individuell. Und ganz sicher bedeutet Sinn nicht immer nur, etwas Gemeinnütziges zu tun. Etwas Sinnvolles ist für mich auch das, was ich gern mache. In Stille irgendwo zu sitzen und einfach mal nichts zu tun, kann sich sehr sinnvoll anfühlen. Und dann ist das auch gar nicht langweilig. 
Wesentlich ist möglicherweise, so gut bei sich selbst zu sein, dass man sich nicht von dem Alltagslärm und -Getue immer einfach mitziehen lässt, sondern möglichst authentisch mit dem ist, was man wirklich tun will. Anderen zu helfen und auch sich selbst zu helfen, beides kann sich sinnvoll und gut anfühlen. Beides sollte seinen Platz haben.